Totenbuch aus Fulda

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Dieses Totenbuch wurde angelegt zur Ehre des Andenkens der katholischen Männer, die von den Machthabern des Dritten Reiches zum Tode verurteilt und dem Henker überantwortet wurden, die nach Verfolgung und mörderischer Haft, nach Torturen und Qualen ihr Leben ließen in der schweren Zeit der Jahre von 1933 bis 1945.

Nicht wenige der in diesem Buche Verzeichneten nahmen an den damaligen Konferenzen der Männerseelsorge und Männerarbeit in Fulda teil.

In diesem Buch sind längst nicht alle angeführt, die unter der Herrschaft des NS Regimes gelitten haben, die inhaftiert, verfolgt, gemartert oder in den Konzentrationslagern gewaltsam ihrer Freiheit beraubt waren, sondern die, die um ihres Glaubens willen im geistigen Widerstand noch im unmittelbaren Einfluß des Gewaltregimes ihr Leben ließen.

Diejenigen, die nach Ende 1945 gestorben sind, wurden nicht vermerkt.

Aber alle, auch die unbekannten Opfer, sind in unser Gedenken und in das Memento des Priesters am Altare mit eingeschlossen.


Der Name des Herrn sei gepriesen.

Sein Wille soll an uns geschehen.

Fürchtet nicht, daß angesichts des Todes großer Sturm und Unruhe in mir sei.
Ich habe täglich gebetet, daß der HERR mich und Euch stark mache, alles geduldig und ergeben auf uns zu nehmen, was für uns bestimmt oder zugelassen.
Und ich spüre, wie es durch das Gebet still und ruhig geworden ist.
Hat ER nicht alles wunderbar gefügt?

ER ließ mich in einem Hause, in dem ich auch in der Gefangenschaft manche Liebe und menschliches Mitgefühl empfing. ER gab mir über fünf Monate Zeit wahrscheinlich eine Gnadenzeit, mich auf die Heimholung vorzubereiten.
Ja, ER tat viel mehr: ER kam zu mir im Sakrament, oftmals, um bei mir zu sein in allen Stürmen und Nöten, besonders in der letzten Stunde.

Aus dem Abschiedsbrief an Frau und Kinder von Nikolaus Groß
am 23. Januar 1945 hingerichtet


Das Ergebnis dieser Zeit muß eine große, innere Leidenschaft für Gott und SEINE Rühmung sein. In neuer, persönlicher Weise muß ich IHM begegnen. Die Wände, die zwischen IHM und mir noch stehen, muß ich einschlagen. Die stillen Vorbehalte restlos aufräumen. Das Gebet des von der Flüe muß gelebt werden. Das göttliche Leben in mir als Glaube, Hoffnung, Liebe muß wachsen, intensiver werden.

Das alles muß sich mit meinem Leben, Temperament, Fähigkeiten, Fehlern, Verengungen ebenso wie mit den Dingen draußen zu einer neuen Sendung verdichten, zu einem neuen Ordnungsbild, an dessen Verwirklichung ich den Dienst leisten will.

Aus dem Tagebuch von Alfred Delp SJ 31. Dez. 1944
Alfred Delp wurde am 2. Februar 1945 durch den Strang hingerichtet


Eugen Bolz Staatspräsident von Württemberg
geb. am 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar
am 23. Januar 1945 in Berlin Plötzensee hingerichtet

Nikolaus Groß Redakteur der Ketteler Wacht, Köln
geb. am 30. September 1898 in Niederwenigern an der Ruhr
am 23. Januar 1945 in Berlin Plötzensee hingerichtet

Franz Sperr Gesandter a. D., München
geb. am 12. Februar 1878 in Karlstadt um Main
am 23. Januar 1945 in Berlin Plötzensee hingerichtet

Pater Dr. Titus M. Horten Dominikaner
geb. am 9. August 1882 in Elberfeld
am 25. Januar 1936 in Vechta an den Haftfolgen gestorben

Franz Anton Fränznick Pfarrer in Bollschweil, Erzdiözese Freiburg
geb. am 9. August 1889 in Rohrbach
am 27. Januar 1944 im KZ Dachau umgekommen

Josef Losch Pfarrer in Miesbrunn, Diözese Regensburg
geb. am 26. Januar 1900 in Rottendorf
am 29. Januar 1945 in Berlin Brandenburg hingerichtet

Dr. Karl Heinrich Schäfer Reichsarchivrat, Potsdam
geb. am 27. Juli 1871 in Wetter bei Marburg an der Lahn
am 29. Januar 1945 im KZ Sachsenhausen umgekommen

Gustav Raab Kaplan in St. Remigius in Viersen
geb. am 21. Oktober 1905 in Mönchengladbach
am 1. Februar 1943 in Stalingrad erschossen

Alois Andritzky Präses der Kolpingfamilie Dresden
geb. am 2. Juli 1904 in Radibor
am 2. Februar 1943 im KZ Dachau umgekommen

Pater Dionysius (Heinrich) Zöhren Kapuziner
Superior von Maria Einsiedel bei Gernsheim am Rhein
geb. am 27. Juli 1903 in Krefeld
am 2. Februar 1943 im KZ Dachau umgekommen

Pater Alfred Delp Jesuit
geb. um 15. September 1907 in Mannheim
am 2. Februar 1945 in Berlin Plötzensee hingerichtet

Hellmut Klotz Marineoffizier
geb. am 30. Oktober 1894 in Freiburg im Breisgau
am 3. Februar 1943 in Berlin Plötzensee hingerichtet

Dr. Anton Korezok Pfarrer in Gleiwitz
geb. am 1. Juni 1891
am 6. Februar 1941 im KZ Dachau umgekommen


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