Gleitbogen in Mülheim

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Gleitbogen als Industriedenkmal im Kreisverkehr vor der Barbarakirche in Mülheim

Einweihung des Kreisverkehrs und Industriedenkmals

am 5. Juli 2003

Ansprache und Gebet

Meine Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger unseres Stadtteils Dümpten,
verehrte Gäste,

zunächst begrüße ich unsere jüngsten und unbeholfensten Verkehrsteilnehmer hier zu meiner Rechten und Linken zusammen mit ihren Eltern. In der Kirche haben sie schon ihr erstes Rennen gefahren. Ein Sponsorenrennen: jedes Kind fährt für ein Stückchen Verantwortung und Rücksichtnahme der Erwachsenen im Straßenverkehr.

Unsere Kirchengemeinde hatte in einem Brief vom 23. Juni 1999 an die Stadt zu bedenken gegeben, die Ampelanlage am Fuße des Schildberges in einen Kreisverkehr umzuwandeln. Als doppelter Anlieger konnten wir die Verkehrsabwicklung zwischen Kirche und Pfarrheim ständig beobachten:

67 Birnen in 21 Ampelkästen regelten mehr den Stillstand als den Verkehr. Häufig standen unsere Gruppen wie Trauben auf den Fahrbahntrenninseln, nicht selten gefährlich bis auf die Fahrbahnen. So verrichtete die Ampelanlage bereits kräftig vor sich hinrostend ihren manchmal recht sinnlosen und obendrein kostspieligen Dienst.

Die Rechnung war damals einfach: Den 50.000 DM Ampelbetriebskosten im Jahr und der kostspieligen Generalüberholung stand gegenüber die viel funktionsgerechtere Kreisverkehrslösung, die sich in wenigen Jahren amortisiert haben wird, ganz abgesehen von den volkswirtschaftlichen Komponenten wie Energieersparnis, Umweltfreundlichkeit und Verkehrssicherheit. So ist die Unfallquote an Kreisverkehren gegenüber Ampelanlagen verschwindend gering.

Als betroffene Anlieger danken wir denen, die sich damals auf unsere Argumente eingelassen und dafür gesorgt haben, dass wir nunmehr diesen Platz einweihen dürfen. In diesem Zusammenhang begrüße ich hier vor Ort die politisch Verantwortlichen als da sind: die Mitglieder der Bezirksvertretung Dümpten II und die Damen und Herren Stadtverordneten.

Wir bedanken uns für das gute Miteinander während der Planungs- und Bauphase bei den Damen und Herren des Amtes für Verkehrswesen und Tiefbau und der Einrichtung Grün und Wald. Vorgesehen ist neben der Begrünung der Fahrbahntrenner eine Pflasterung der Mitteninsel mit Natursteinen und Findlingen. Die Natur wird dann im Laufe der Zeit ihr Übriges dazutun.

Viele Leute haben mir gesagt, wie gut, geschickt und schnell die Leute der Tiefbaufirma Anton Schön hier bei laufendem Verkehr gearbeitet haben. Wir möchten dies hiermit ausdrücklich anerkennen.

Wir werden die neue Anlage in wenigen Minuten mit der Welt erstem Formel - KaK - Rennen einweihen. KaK heißt: Kindergartenkinder am Kreisverkehr. Und ich bitte unsere Stars sich jetzt so langsam in eine günstige Poolposition zu manöverieren.

Mit dem Kreisverkehr weihen wir auch ein Industriedenkmal ein. Vor gut hundert Jahren, im Zeitalter der Industrialisierung kamen viele Menschen aus Osteuropa und anderen Teilen Deutschlands nach Dümpten, um hier zwischen Kohle und Stahl Arbeit zu finden. Diesen Menschen galt auch die Gründung unserer beiden Kirchengemeinden im Jahre 1887. Die Patronin der hiesigen Katholische Kirchengemeinde ist daher bezeichnenderweise die Schutzheilige aller Bergleute, die Heilige Barbara.

Zu den Menschen, die damals ins Revier kamen gehörte auch die Familie Groß, deren Sohn Nikolaus in jungen Jahren Bergmann war und als erster Seliger unseres Bistums Essen auch in unserer Gemeinde besonders verehrt wird. Ich darf in diesem Zusammenhang den jüngsten Sohn von Nikolaus Groß, Herrn Diakon Bernhard Groß herzlich begrüßen und mich bedanken, dass er uns dieses Denkmal vermittelt hat und gleich auch einweihen wird.

Das Industriedenkmal ist eine Stiftung der Zeche Walsum. Mitarbeiter der Zeche Walsum haben es hier vor Ort zusammengeschraubt und aufgebaut. Ganz herzlich und mit großem Dank begrüße ich die Gäste von der Zeche Walsum.

Bei dem Industriedenkmal handelt es sich um einen Gleitbogenausbau. Mit Gleitbögen wird unter Tage der Stollen Meter für Meter ausgebaut. Den Weg nach vorne sichert der Gleitbogenausbau nach hinten ab. Somit ist er ein Symbol für den Schutz auf dem Weg aus dem Zurückliegenden in das Künftige.

Als Kirchengemeinde ist es uns eine Ehre, uns mit der Errichtung dieses Denkmals im Sinne eines bürgerlichen Engagements in die Gestaltung unseres Ortsteils im Einvernehmen mit Bezirksvertretung und Bürgerverein mit einbringen zu dürfen. Ausdrücklich möchte ich mich dabei noch einmal bei den zuständigen Stellen für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Gegenüber gibt eine kleine Tafel dem Bürger Aufschluss über dieses Denkmal und seine Stiftungsintention:

Gleitbogenausbau

Der Kirchengemeinde St. Barbara zu Mülheim-Dümpten
gestiftet vom Bergwerk Walsum
zu Ehren ihrer Patronin St. Barbara, der Schutzheiligen aller Bergleute,

errichtet im Andenken an den seligen Nikolaus Groß,
der in jungen Jahren das Los der Bergleute im Revier teilte,

in Erinnerung an die vielen Menschen, die zur Zeit der Industrialisierung als Bergarbeiter auch in Dümpten und in den für sie vor Ort gegründeten Kirchengemeinden ihre neue Heimat fanden,

eingeweiht als Industriedenkmal am 5. Juli 2003.

Der Gleitbogen stützt unter Tage den Stollen gegen das Hangende ab und schützt den Weg durch das Erdreich. Er symbolisiert die Sehnsucht, den Schritt nach vorne zu wagen und dabei sicher durchs Leben zu gehen.

Mit diesem symbolischen Gedanken möchte ich den Kreisverkehr und das Denkmal einweihen, unsere Mitbürger segnen und beten:

Allmächtiger Gott,
Beschütze uns auf all unseren Wegen. Viele Wege gehen wir gemeinsam. Lass sie uns gehen mit gegenseitiger Unterstützung, Achtung und Rücksichtnahme. Viele Stunden unseres Lebens sind wir unterwegs auf unseren Strassen, als Fußgänger oder mit Fahrzeugen. Stärke uns durch deinen Geist in der Verantwortung füreinander, in der Beachtung lebenswichtiger Vorschriften und Regeln und gib uns den 7. Sinn für die richtigen Reaktionen des Augenblicks zum Wohle aller Verkehrteilnehmer.

Dies alles erbitten wir noch einmal ganz besonders im Hinblick auf unsere schwachen und unbeholfenen Mitbürger, die kleinen Kinder, die alten Menschen und Behinderten aber auch im Hinblick auf die Rücksichtslosen, die Unerzogenen, Charakterlosen und Draufgänger, deren Schwächen wir zu ertragen und auszugleichen gezwungen sind.

So möge der Kreisverkehr mit dazu beitragen, dass sich unsere Wege im oft hektischen Straßenverkehr unserer Tage in Ruhe reibungslos und gefahrlos kreuzen.

Wie der Gleitbogen die Bergleute unter Tage auf ihrem Weg durch den Stollen schützt, so halte deine Hand schützend über alle unsere Lebenswege.

So wie viele Menschen an dieser Stelle vor uns erbitten wir auf die Fürsprache der Hl. Barbara für alle unsere Mitbürger hier vor Ort in Dümpten, in unserer Stadt und unserem Land deinen Segen.

So segne uns alle der allmächtige Gott:
+ Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Mülheim, 5.7.03
Manfred v. Schwartzenberg


Begrüßung zum Gottesdienst

Unser ganzes Leben ist ein Weg. Wir gehen diesen Weg nicht allein. Unsere Wege kreuzen sich mit den Wegen vieler anderer Menschen. Viele Stunden unseres Lebens verbringen wir auf den Strassen, zu Fuß, auf Rädern oder in Fahrzeugen. Auch hier kreuzen sich ständig unsere Wege. Der gemeinsame Lebensweg gelingt, wenn wir aufeinander achten, Rücksicht nehmen und einander helfen. Diese Regeln der Nächstenliebe gelten nicht nur für die persönlichen langen Wegstrecken. Sie haben eine besondere nahezu Leben schützende Bedeutung gerade auch in der flüchtigen Begegnung des Straßenverkehrs.

So ist dieser Eröffnungsgottesdienst unseres diesjährigen Pfarrfestes der Einweihung des Kreisverkers gewidmet und damit den Bürgern unseres Stadtteils, die sich auf ihren Wegen als Verkehrsteilnehmer hier oft begegnen werden.

Auf dem Kreisverkehr befindet sich ein Gleitbogen wie er zum Schutz der Bergleute in den Stollen unter Tage benutzt wird. Er soll uns an die Menschen erinnern, die vor vielen Jahren nach Dümpten kamen, im Bergbau Arbeit fanden und unsere Pfarre St. Barbara gründeten. Der Gleitbogen ist wie ein Tor in die Geschichte unseres Reviers. Auf dem Weg durch dieses Tor begegnet uns auch der Selige Nikolaus Groß, der damals als junger Bergmann unter Tage arbeitete und in unserer Gemeinde besonders verehrt wird. Der Torbogen symbolisiert die schützende Hand der Patronin aller Bergleute, die auch unsere Patronin ist. Mit dem Kreisverkehr weihen wir zugleich dieses Industriedenkmal aus dem Bergbau ein, rufen dabei die Fürsprache der Hl. Barbara und des Seligen Nikolaus Groß an und vertrauen unseren Lebensweg dem Schutz der Glaubenszeugen aus alter und neuer Zeit an.


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